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Zum Jahreswechsel 2017

Jahresrück- und Ausblick 2017

Die Welt der Jagd in der Schweiz musste sich im zu Ende gehenden Jahr einmal mehr mit zahlreichen internen und externen Herausforderungen auseinandersetzen. Auf eidgenössischer Ebene hat der Bundesrat die Anträge zur Teilrevision des Jagdgesetzes verabschiedet. Die Vorlage wird nun vom Parlament behandelt. Wenn die Teilrevision beschlossen ist, wird anschliessend die eidgenössische Jagdverordnung angepasst. Diese Gesetzesänderungen bilden einen wichtigen Schwerpunkt der politischen Arbeit von JagdSchweiz. Aktiv sind aber auch die kritischen Stimmen, welche die Jagd in Teilen oder als Ganzes in Frage stellen. Zwischen den zahlreichen Tierschutzorganisationen ist ein eigentlicher Wettbewerb ausgebrochen. Radikale Organisationen, die zunehmend international verflochten sind, scheinen dem, in der Regel mit Fakten argumentierenden Schweizer Tierschutz die Spender streitig zu machen. Der Ton wird generell rauer, die Wahrheit oft zurechtgebogen oder völlig negiert. Wir müssen uns gegen die um sich grassierende generelle Gebots- und Verbotskultur zur Wehr setzen, nicht nur in der Jagdpolitik, sondern in allen Lebensbereichen. Die Vertretung von klaren Positionen haben 2017 aber auch intern zu Spannungen geführt. Es ist zu hoffen, dass mindestens jagdintern die Argumente gegenseitig gehört und verstanden werden. Gegenseitiges Verständnis und die Suche nach einer gemeinsamen Haltung haben Priorität. Letztlich geht es darum die gemeinsamen Ziele zu erreichen. Dies ist aber nur möglich, wenn die Ziele und der Weg dazu bei Jägern, Politikern und Volk mehrheitsfähig bleiben. Die Jagd ist und bleibt eingebettet in unsere Gesellschaft.

 

Der vom Bundesrat verabschiedete Gesetzesvorschlag zur Teilrevision des Jagdgesetzes bietet in weiten Teilen eine brauchbare Grundlage, ein praktikables und effizientes Management geschützter Arten sicherzustellen. Nach unserer Beurteilung lässt der Gesetzesvorschlag aber in einzelnen Bereichen einen relativ grossen und unklar definierten Handlungsspielraum offen. Die Botschaft verweist oft auf die anzupassende Verordnung. Wie dann aber die definitive Regelung im Detail festgelegt wird, bleibt offen. Das zuständige Departement bzw. das zuständige Bundesamt sind daher aufgefordert, gleichzeitig mit der parlamentarischen Beratung der Gesetzesvorlage auch den Text des Vorentwurfs der Bundesverordnung vorzulegen. Die Neuausrichtung der Jagdbanngebiete zu Wildschutzgebieten soll primär die Freizeitnutzung dieser Gebiete besser steuern. Die bisherigen Kompetenzen der Kantone für das Wildmanagement in den Banngebieten müssen aber unbedingt erhalten bleiben und bei Bedarf auch regulierende Eingriffe bei geschützten Tierarten möglich sein. Eine Regulation der Wolfsbestände kann nur dann in allen Situationen effektiv und ohne juristische Hürden durchgeführt werden, wenn der Schutzstatus dieser Art von «streng geschützt» auf «geschützt» herabgestuft wird. Zwar hat der BR beschlossen, ein entsprechendes Begehren an den Ständigen Ausschuss der Berner Konvention zu richten. Die Motion Fournier darf aber nur dann als «umgesetzt» betrachtet werden, wenn der Europarat, bzw. seine ständige Kommission der Berner Konvention dem Begehren, den Wolf für die Schweiz als «geschützt» und nicht mehr als «streng geschützt» einzustufen, formell zustimmt. Vor der Erledigung der MO Fournier und vor der Verabschiedung der Teilrevision des Jagdgesetzes, muss die definitive Antwort des Europarates, bzw. des zuständigen Ausschusses vorliegen. Die Kantone Graubünden, Tessin und Wallis beurteilen die gegenseitige Anerkennung der Jagdfähigkeit skeptisch. Die übrigen Kantone dagegen verlangen diese Anpassung oder haben dagegen keine Einwände. Den betroffenen Bergkantonen ist dabei, insbesondere in Berücksichtigung des den Kantonen zustehenden Jagdregals und der kantonalen Bestimmungen, der notwendige Handlungsspielraum für die Erteilung der Jagdbe-rechtigung offen zu halten. JagdSchweiz fordert weiter, dass die Pflicht zur Offenhaltung überregionaler Wildtierkorridore im Jagdgesetz verankert wird. Im Hinblick auf die Änderung der Jagdverordnung fordert JagdSchweiz, den Luchs, Biber und Höckerschwan als zu regulierende Arten in die Verordnung aufzunehmen. Weiter soll auf ein Verbot von Bleimunition verzichtet, das Verbot von Schalldämpfern gestrichen und den Kantonen die Kompetenz bei Bedarf Nachtzielhilfen zu bewilligen erteilt werden.

 

Die geplante Umsetzung der EU-Waffenrichtlinie beurteilt JagdSchweiz äusserst kritisch. Auch wenn die Behörden behaupten, dass die Jagd durch die vorgesehene Änderung des Waffengesetzes nicht betroffen sei, sind weitere Einschränkungen im Waffengesetz konsequent abzulehnen. Das bestehende Schweizerische Waffenrecht erfüllt die Richtlinie, Waffenmissbrauch im Umfeld des internationalen Terrorismus einzudämmen, bereits mehr als genügend. Die Haltung des Schweizerischen Schiesssportverbandes wird vollumfänglich unterstützt. Es ist auch für Jäger unakzeptabel, dass der Staat Waffen jederzeit und ohne Entschädigung beschlagnahmen kann. Dies entspricht einer Enteignung.

 

Das im Kanton Thurgau im neuen Jagdgesetz aufgenommene Baujagdverbot hat dazu geführt, dass in mehreren Kantonen und beim Bund diese Jagdart zur Diskussion gestellt wird. Warum im Thurgau einzelne Jäger, vor der Behandlung im Parlament, das Baujagdverbot unterstützten, ist zu bedauern. Wenn wir Jäger jede Jagdart zur Disposition stellen, welche nur von einer Minderheit ausgeübt wird, dann verkommt die Jagd zur reinen Schadensbegrenzung. Dies ist zwar eine der Aufgaben der Jagd unter vielen. Jagd aber ist weit mehr, Tradition, Passion und Freude an der Natur, an der Beute und am Jagderlebnis. Nur wenn wir geschlossen und uneingeschränkt dafür eintreten, können wir eine freie Volksjagd auch in Zukunft ausüben. Die Angriffe dagegen sind vielfältig und beginnen oft mit Forderungen zum Verbot in Teilgebieten. Sei dies auf nationaler Ebene oder mit Initiativen wie in den Kantonen Graubünden und Zürich. JagdSchweiz, seine Sektionen und alle Jäger müssen wachsam bleiben und für ihre Rechte auch in Fragen, welche nur eine Minderheit betreffen, kämpfen. Die Pflicht ist nie getan, sie beginnt jeden Tag von Neuem!

 

In diesem Sinne wünsche ich allen Jägerinnen und Jägern frohe Festtage, en guete Rutsch ins neue Jahr und für 2018 reichlich Anblick, Weidmanns Heil und Jägers Gfell!

Hanspeter Egli

Präsident JagdSchweiz