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Zum Jahreswechsel 2016

Jagd findet nicht nur in der Natur statt!

Das Jagdjahr 2016 neigt sich bald seinem Ende entgegen. Die Hegearbeiten sind getan und die vielfältigen Erlebnisse in der Natur, auf der Jagd und mit den Jagdkameraden bleiben in bester Erinnerung. Auf der jagdpolitischen Seite ist die Bilanz weniger eindeutig. Während sich die Gesetzgeber redlich bemühen, die Bedürfnisse von Mensch, Tier und Lebensraum in einer dynamischen Entwicklung möglichst ausgewogen aufeinander abzustimmen, gibt es immer weniger Organisationen und Individuen, welche diesen Weg unterstützen. Extreme Positionen werden lautstark verkündet und wiederholt. Und viele Medien transportieren diese Botschaften nur zu gerne, ja bewirtschaften sie geradezu. Aber auch hier gilt: «Positionen die jahrelang verbreitet werden, sind oft trotzdem nicht die adäquaten Lösungsansätze.» In diesem Sinne empfehle ich allen Jägerinnen und Jägern solche Sirenengesänge kritisch zu hinterfragen, sich eine eigene Meinung zu bilden und für pragmatische Lösungen einzustehen, welche die Anliegen von Mensch, Fauna und Flora in einem für alle Betroffenen tragbaren Mass berücksichtigen.

Teilrevision Jagdgesetz

Der Entwurf zur Teilrevision des Jagdgesetzes liegt vor und wird 2017 vom Parlament behandelt. Als wichtigste Anpassung wird der Umgang mit geschützten Arten grundsätzlich neu geregelt, wobei dem Wolf spezielle Aufmerksamkeit zukommt. Die Entnahme von schadenstiftenden Tieren und die Regulierung der Populationen auf ein für Mensch, Nutz- und andere Wildtiere, Umwelt und Infrastrukturen tragbares Mass soll vereinfacht werden. Die Kantone sollen die Kompetenz erhalten, im Rahmen von festgelegten Kriterien entsprechende Massnahmen umzusetzen. JagdSchweiz versteht unter Artenschutz nicht nur die im Gesetz aufgeführten geschützten Arten, sondern alle wildlebenden Tiere, auch die jagdbaren. Die Argumentation, das Wolf und Luchs den Verbiss der Naturverjüngung im Wald entscheidend reduzieren, greift zu kurz. Mit der Regulierung von Wildtieren inklusive Wolf und Luchs sollen überhöhte Populationen auf einer für den betroffenen Lebensraum tragbaren Grösse gehalten werden. Es widerspricht dem Grundsatz des Artenschutzes, die exzessive Reduktion der Reh-, Gams- und Rotwildpopulationen zu fordern und die Regulation der Grossraubtiere zu bekämpfen. Das Gesetz sieht ausdrücklich vor, dass der Bestand der betroffenen Populationen nicht gefährdet werden darf.

Neu wird weiter vorgeschlagen, dass alle Kantone die in der Schweiz bestandene Jagdprüfung gegenseitig anerkennen. Wer eine Jagdprüfung erfolgreich bestanden hat, wäre somit fähig, in jedem Kanton die Jagd auszuüben. Die letzten Kantone sind daran, die Einladung von Jagdgästen zu ermöglichen. Die Abgabe von Gästekarten erfordert die Anerkennung der Jägerprüfung, also der Jagdfähigkeit. Die Kompetenz zur Erteilung der Jagdberechtigung, ob als Jagdgast, Patentinhaber oder Pächter, wird auch bei gegenseitiger Anerkennung der Jagdfähigkeit weiterhin bei den Kantonen bleiben. In den meisten Patent- und Revierkantonen bestehen bereits heute klare Bedingungen, die ein Jäger erfüllen muss, damit er ein Jagdpatent lösen oder als Pächter bzw. Jagdgast berechtigt ist, die Jagd auszuüben. JagdSchweiz befürwortet diese Regelung ausdrücklich, sie ist seit Jahren überfällig.

«Es hat viel zu viele Rehe»

Mit dem Beitrag in der NZZ «Es hat viel zu viele Rehe» wurde eine völlig falsche Wald-Wild-Diskussion losgetreten. Die Thematik wurde vom Fernsehen in der Rundschau unter dem Titel «Krach im Wald: Jäger gegen Förster» aufgenommen. Die Jagd hat nie bestritten, dass lokal erhöhter Wildverbiss vorkommen kann. In der Praxis arbeiten aber die Jagd- und Forstbehörden der Kantone, aber auch Jäger und Förster auf lokaler Ebene eng zusammen, um entsprechenden Problemen entgegenzuwirken. Und der Bund hat mit der «Vollzugshilfe Wald und Wild» die Grundsätze einer nachhaltigen Bewirtschaftung von Wald und Wild sowie das Vorgehen bei Wald-Wild-Problemen definiert. Der Wald ist der wichtigste Lebensraum für wildlebende Tiere. Hier ziehen sie sich vor den, bis hinauf in die entlegensten Berggebiete, zunehmenden Störungen durch die vielfältigen Freizeitaktivitäten zurück. Und die Jagd leistet ihren Beitrag, die Populationen auf tragbaren Grössen zu halten. Das Wild hat ein Recht sich im Wald aufzuhalten. Verbiss und Schälungen durch das Wild dürfen aber den Aufwuchs des Jungwaldes nicht gefährden. Dies gilt sowohl für den Schutzwald wie auch für den Wirtschaftswald. Dieses Gleichgewicht zu halten ist schwierig. Nachhaltige Lösungen für latente Zielkonflikte können aber nur im gegenseitigen Gespräch und in einem ausgeprägten Verständnis für die beidseitigen Anliegen gefunden und umgesetzt werden. Gegenseitige Schuldzuweisungen sind kontraproduktiv!

«Streifschüsse und Nachsuchen auf der Schweizer Jagd»

Mit der Publikation «Streifschüsse und Nachsuchen auf der Schweizer Jagd» versucht der Schweizer Tierschutz STS gegen die Jagd eine neue Front aufzubauen. Ohne im Detail auf die zum grössten Teil unhaltbaren und falschen Behauptungen einzugehen, fordert der STS, trotz seiner Behauptung die Jagd grundsätzlich zu befürworten, in seinen Schlussfolgerungen eine breite Palette von neuen Einschränkungen und Verboten für die Jagdausübung. Jede Jägerin und jeder Jäger ist heute verpflichtet, mit dem Treffsicherheitsnachweis seine Schiessfertigkeit nachzuweisen. Und passiert dann in der Jagdpraxis trotz allem einmal ein Fehlschuss, so ist jeder verantwortungsvolle Jäger sowohl aus Gründen der Weidgerechtigkeit und in den meisten Kantonen auch von Gesetzes wegen verpflichtet, eine Kontrollsuche bzw. Nachsuche mit einem Nachsuchegespann durchzuführen. Die Jagd braucht nicht zusätzliche Vorschriften, Gesetze und Statistiken! Selbstverantwortung und weidmännisches Verhalten gepaart mit einer natürlichen Achtung vor jedem Lebewesen sind traditionellen Werte, denen wir uns verpflichtet fühlen!

Dies nur einige Schwerpunkte der diesjährigen Arbeit. JagdSchweiz wird sich auch im neuen Jahr für eine freiheitliche Jagd, ausgeübt von Jägerinnen und Jägern, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind, einsetzen! Die Pflicht ist nie getan, sie beginnt jeden Tag von Neuem!

JagdSchweiz, aber auch ich ganz persönlich wünsche Ihnen und Ihrer Familie frohe Festtage und zum neuen Jahr gute Gesundheit, viel Glück in Familie und Beruf. Möge Diana Ihnen im neuen Jahr reichlich Anblick und erfolgreiche Jagd schenken!

Unterschrift HP Egli

Hanspeter Egli

Präsident JagdSchweiz