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Wenn der Luchs dem Förster hilft

Rehe, Hirsche und Gämsen können in Wäldern Schäden anrichten. Besonders die natürliche Waldverjüngung gerät ins Stocken, wenn in einem Gebiet zu viele solche Tiere leben. Hier könnten allenfalls Luchs und Wolf Abhilfe schaffen.

Nachwuchs in Gefahr

Ob durch natürliche Verjüngung oder gepflanzt von Förster/innen: Damit ein Wald langfristig überlebt, braucht er Nachwuchs an jungen Bäumen. Diese wachsen nicht überall gleich gut – bedingt durch unterschiedliche Einflüsse. Negativ wirkt sich unter anderem aus, dass sie bei Wildtieren wie Rehen, Hirschen oder Gämsen weit oben auf deren Speiseplan stehen. Solcher Wildverbiss ist vielerorts ein Problem. Doch wie verändert sich diese Situation, wenn in der Schweiz Luchs und Wolf wieder heimisch werden? Dies haben die vier Bachelorstudierenden der Waldwissenschaften Madlaina Gremlich, Christian Hüsler, Lea Imola und Miguel Zahner in einer Arbeit untersucht.

Hier der Wolf, da der Luchs

Zur Anschauung dienten ihnen zwei Gebiete in den Alpen: die Region Calanda, wo seit 2012 ein Wolfsrudel sein Revier hat, sowie das westliche Berner Oberland. Dort leben seit rund 25 Jahren wieder Luchse.
Bevor sie sich mit den zurückkehrenden Raubtieren befassten, setzten sich die Studierenden mit der Grundlage auseinander: dem Einfluss des Wildes auf die Waldverjüngung. An sich ist dieser unbestritten. Das Ausmass lässt sich aber nicht einfach beziffern und hängt von zahlreichen Faktoren ab – beispielsweise von der Waldzusammensetzung oder dem vorhandenen Nahrungsangebot für das Wild. Zudem kann er kleinräumig sehr unterschiedlich ausfallen. Kritisch ist die Situation vor allem im Gebirgswald, wo sich in vielen Gebieten die Tanne ohne mechanische Schutzmassnahmen, wie zum Beispiel Zäune, nicht mehr verjüngt. Nebst der Literatur zum Thema brachten vor allem Interviews mit Expertinnen und Experten – von forstlichen Praktiker/innen über Wildtierspezialist/innen bis hin zum Jagdinspektor – interessante Erkenntnisse.

Geringer Einfluss auf die Anzahl

Luchs und Wolf alleine können normalerweise das Wild nicht so stark reduzieren, dass dadurch dessen negativer Einfluss auf die Waldverjüngung abnehmen würde. Das ist erst der Fall, wenn die Zahl der Tiere gleichzeitig wegen Krankheiten, einem harten Winter oder der Jagd abnimmt. Oft neigen Jäger/innen jedoch dazu, das Wild zu schonen, wenn Raubtiere in ihrem Revier präsent sind. Und auch die potenziellen Beutetiere passen ihr Verhalten an.

Der Gefahr angepasst

Solche Verhaltensänderungen haben Förster/innen und Jäger/innen in den untersuchten Gebieten beobachten können. Die Gämsen im Kandertal sind zum Beispiel über die Waldgrenze hinaus und somit aus dem Jagdgebiet des Luchses gezogen. Auch in der Calanda-Region hat sich die Mobilität des Wildes verändert: Es bewegt sich mehr und sucht weniger konzentriert an einem Ort nach Nahrung. Dadurch ist auch das Problem mit dem Verbiss gesunken.

Fazit: Ob Wolf und Luchs über ihr Jagdverhalten indirekt die Waldverjüngung positiv beeinflussen, lässt sich nicht abschliessend sagen. Dafür fehlt besonders beim Wolf eine langjährige Datengrundlage. Die bisherigen Beobachtungen in den untersuchten Gebieten deuten aber in diese Richtung.

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