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Aktuell

Rehkitzrettung aus der Luft

Die BFH-HAFL-Methode zur Rettung von Rehkitzen verbreitet sich

Im Mai und Juni werden Rehkitze in die Wiesen und Felder geboren. In hohen Grasbeständen sind sie kaum auffindbar. Klein, geruchlos und mit ausgeprägtem Instinkt, sich bei Gefahr flach zu ducken, sind sie vor ihren Fressfeinden Fuchs und Greifvogel fast perfekt getarnt. Anders bei Mähmaschinen, hier wird ihnen ihr Verhalten bei der Mahd oft zum Verhängnis. So sterben jedes Jahr mehrere tausende Rehkitze auf qualvolle Weise.
Trotz grosser Bemühung der Landwirte und Jäger dieses Tierleid zu verhindern, liegt die Erfolgsquote der herkömmlichen Rettungs-Methoden bei geschätzten 50 %. Sie basiert darauf, die Tiere aus den Feldern zu vertreiben.

 

Im Rahmen eines schweizerischen Rehkitzprojekts mit Beteiligung des Bundesamts für Umwelt haben Mitarbeiter der HAFL, der ETH Zürich und BFH-TI 2013 eine vielversprechende neue Methode mit Wärmebild-Kameras aus der Luft entwickelt. Bei richtiger Anwendung wird eine Erfolgsquote von nahezu 100 % erreicht.
Das Fluggerät fliegt dabei die zu mähenden Wiesen über einen Autopiloten gesteuert ab und macht mit der Wärmebildkamera einen Film. Dieser Film wird in Echtzeit an einen Bildschirm am Boden übertragen, wo die Kitze als helle Flecken erscheinen. Gleichzeitig wird die Position des Multikopters gespeichert. Mit dieser Methode ist ein Feld in 20-30 Minuten abgesucht. Der Multikopter überfliegt dabei einen Hektar in drei bis vier Minuten. Der Rest der Zeit wird für das Ein- und Ausladen der Geräte sowie für die Fahrt von Feld zu Feld benötigt.
Werden Rehkitze detektiert, verlängert sich der Einsatz: Mit vom Landwirt bereit gestellten Kisten nähert sich der Retter vorsichtig dem Rehkitz und fixiert das Jungtier so für die Zeit der Mahd. Danach werden die Kitze wieder abgedeckt. In der Regel beobachtet die Geiss das Geschehen vom Wald heraus. Mutter und Kind finden sich aber auch durch Rufen wieder.

 

Im Jahr 2014 und 2015 wurden mit dieser Methode vom HAFL-Team je sieben Rehkitze gerettet und damit deutlich weniger als in den Jahren 2012 und 2013, wo zusammen 55 Rehkitze gefunden wurden. Eine mögliche Erklärung hierfür könnte der warme April in den vergangenen beiden Jahren sein. Das Gras war noch nicht hoch genug um den Rehkitzen genügend Sichtschutz und Schatten zu bieten, so dass die Rehgeissen vermehrt im Wald geboren haben, was den Rehkitzen sehr zugute kam. Wegen der regnerischen und warmen Witterung bereits am Morgen hat sich die Suchzeit von normalerweise vier auf zwei Stunden stark reduziert.

 

Die Methode funktioniert derart gut, dass ein Nachfolgerprojekt lanciert wurde. Im Projekt „Regionale Rehkitzrettung“ unter der Beteiligung von Jagd Schweiz, Pro Tier, Zürcher Tierschutz, LANAT, Schweizer Tierschutz und IP-Suisse konnten vier neue Rettungsteams mit eigenen Multikoptern und Thermalkameras ausgebildet werden. Alle Schweizer Teams zusammen (inklusiv dem HAFL-Team) haben im Jahr 2015 147 Felder abgesucht und dabei 24 Rehkitze gerettet.

 

Das Projekt wächst weiter, so konnten für die Saison 2016 bereits 14 neue Piloten geschult werden. Beim nächsten Schulungs-Treffen Anfang Jahr wird sich zeigen welche dieser Piloten ernsthaft an der Rehkitzrettung interessiert sind.

 

Spenden

 

Auskünfte:
HAFL, Nicole Berger, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Länggasse 85, 3052 Zollikofen,
Tel. + 41 (0)31 910 22 29, E-Mail: nicole.berger@bfh.ch | www.hafl.bfh.ch

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