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Blutige Jagd nach Unterschriften

FRAUENFELD. Der Rücklauf ist sehr gut. Der Präsident des Thurgauischen Tierschutzverbands, Reinhold Zepf, ist zuversichtlich, die nötigen 4000 Unterschriften innert zweier Monate zusammenzubringen. Zeit hätte er bis Anfang März. Vor einigen Tagen hat er 5000 Unterschriftenbogen an Adressen verschickt, die sich im Lauf der Jahre in der Vereinskartei angesammelt haben. Die angeschriebenen Tierfreunde werden aufgefordert, die Volksinitiative für ein Verbot der Baujagd mit Hunden zu unterschreiben. Oft kommen Bogen mit mehreren Unterschriften zurück. Den Unterschriftenbogen zieren rote Flecken: Der Tierschutzverband will die Adressaten mit Blut aus dem Photoshop aufrütteln.

Der Kleine Münsterländer ist zu gross für den Bau

Dem Gestalter war offenbar das verwendete Bild zu wenig dramatisch. Dieses zeigt auch gar keine Baujagd. Zu sehen ist ein Vorstehhund, vermutlich ein munterer Kleiner Münsterländer, der einen erlegten Fuchs apportiert. Diese Hunde werden nicht für die Baujagd eingesetzt, sie sind trotz ihres Namens zu gross dafür. Geeignet sind eher Terrier.

Der Begleittext erklärt, wie es wirklich bei einer Baujagd zugeht: Da «muss ein speziell abgerichteter Hund den Fuchs aus dem Bau heraustreiben, damit er erschossen wird». Dass die Blutspritzer übertrieben seien, findet Tierschutzpräsident Zepf nicht: «Bei der Baujagd fliesst Blut.» Woher die auf dem Unterschriftenbogen verwendeten Bilder stammen, wisse er nicht. Sein Rechtsanwalt habe den Bogen gestaltet, beziehungsweise die Gestaltung in Auftrag gegeben. Der Thurgau wäre der erste Kanton, der ein Baujagdverbot einführt. Gemäss Unterschriftenbogen können Hunde dabei schlimm zugerichtet werden. Manche kämen nicht mehr aus dem Bau heraus. Zum Kampf komme es immer, wenn sich ein Dachs in den Fuchsbau eingeschlichen habe, denn Dachse würden nicht flüchten.
Auch Zepf gibt nie nach. Nach jahrelangem Bemühen erreichte der altgediente Tierschützer, dass der Regierungsrat in der Revision des Jagdgesetzes ein Baujagdverbot vorschlug. In der Vernehmlassung lehnten es jedoch die drei Regierungsparteien SVP, FDP und CVP ab. Es fehle ein stichhaltiger Grund, weshalb der Thurgau die vom Bund zugelassene Baujagd verbieten solle.
Bei Tierseuchen sei sie eine unverzichtbare Jagdmethode. Diesem Argument widerspricht der Tierschutzverband. Laut Unterschriftenbogen würde die Baujagd Seuchen eher verbreiten, als verhindern.

Nun wäre die Chance gering, dass das Baujagdverbot die Beratung im Grossen Rat übersteht. Möglicherweise verzichtet der Regierungsrat von vornherein darauf, sie in die Gesetzesvorlage einzufügen. Mit der Volksinitiative hat Zepf jedoch ein Druckmittel in der Hand, den Grossen Rat Gehorsam zu lehren. Denn Tierschutzvorlagen haben in Volksabstimmungen im allgemeinen gute Chancen. Zepf versichert, die Initiative werde zurückgezogen, wenn der Grosse Rat das Baujagdverbot ins Jagdgesetz aufnehme.

Mindestens einen Verbündeten hat Zepf im Grossen Rat: Seinen Rechtsanwalt Hermann Lei. Es stellt sich die Frage, ob es einen Konflikt zwischen Leis Rolle als Anwalt des Tierschutzverbands und als SVP-Kantonsrat gibt. Der Grosse Rat wird bei der Jagdgesetzrevision voraussichtlich über ein Baujagdverbot entscheiden, allenfalls später auch über die Volksinitiative.

Lei: Der Spass ist grösser bei gleicher Meinung

Lei sieht keinen Rollenkonflikt: «Ich berate des öfteren Initiativkomitees, und zwar in rechtlicher wie auch in sonstiger Hinsicht. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich die Anliegen der Initiative teile. Die Arbeit macht aber mehr Spass, wenn ich gleicher Meinung bin.» Er werde für ein Baujagdverbot stimmen.

Die Gestaltung des Initiativbogens habe ein Thurgauer Grafiker nach den Wünschen des Initiativkomitees vorgenommen. Beim Bild mit dem erlegten Fuchs handle es sich um ein Symbolbild. Es soll verdeutlichen, dass die Baujagd eine aus Sicht des Tierschutzes unnötige, blutige Jagdmethode ist. Einen klassischen Baujagdhund sehe man dagegen auf dem Flugblatt, das jedem Bogen beiliege.

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